Verloren, verwandelt, wiederentdeckt. Lost Places in Sachsen-Anhalt gemeinsam sichtbar machen
Das Gedächtnis der Transformation. Lebensgeschichte und Zeitzeugenschaft in Sachsen-Anhalt
Sachsen und Anhalt, Band 38/2026
Verketzerungsprozesse. Kontinuität und Wandel religiöser Ausgrenzung in der Vormoderne

Historische Kommission für Sachsen-Anhalt
- Arbeitsstelle -
c/o Franckesche Stiftungen zu Halle
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06110 Halle (Saale)
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Historische Kommission für Sachsen-Anhalt
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Workshop
5. und 6. November 2026 im Industrie- und Filmmuseum Wolfen
veranstaltet in Kooperation mit dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt, dem Institut für Landesgeschichte am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt und dem Industrie- und Filmmuseum Wolfen
Anknüpfend an bisherige Forschungen zur Historisierung des Phänomens Zeitzeugenschaft möchte dieser Workshop einen Beitrag zur systematischen Historisierung von Zeitzeugenschaft und Interviewerhebungen in den DDR-Bezirken Halle und Magdeburg und im Land Sachsen-Anhalt leisten. Es geht darum, einen Überblick über im Land vorliegende lebens- und erfahrungsgeschichtliche Interviewbestände und zur Breite des historischen Phänomens Zeitzeugenschaft in landesgeschichtlicher Perspektive zu erhalten. Zudem soll nach den Entstehungsbedingungen, den Aufnahme-, Aufbereitungs-, Aufbewahrungs- und Nutzungspraktiken gefragt werden. Auch sollen Perspektiven der Sicherung, Aufbereitung und Sekundärnutzung diskutiert werden.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Workshop
20. und 21. November 2026 in Halberstadt
veranstaltet in Kooperation mit der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und der Stadt Halberstadt
Die politisch-gesellschaftlichen Gestaltungsspielräume protestantischer Domstifte sind bislang kaum erforscht. Lediglich vereinzelt liegen ältere Forschungsarbeiten vor, die heutigen geschichtswissenschaftlichen Standards jedoch nicht mehr genügen. Dies gilt vor allem für die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, als die meisten protestantisch dominierten Hochstifte der Säkularisierung zum Opfer fielen. Dass die Domkapitel auch nach 1648 als bedeutende politischer Faktor erhalten blieben, eben nicht nur als Versorgungsinstrument protestantischer Adliger dienten und insbesondere als zentraler Vertreter der Stände nach wie vor eine zentrale Rolle spielten, gerät dabei aus dem Blick. In der regionalen Herrschaftsausübung blieben sie dabei ein prägender Faktor, was sich vor allem in der Finanz- und Schulpolitik, aber auch in der regionalen Repräsentationspraxis der Domherren als führenden Persönlichkeiten der Region niederschlug.
Weitere Informationen finden Sie hier.
Die 1876 gegründete Historische Kommission für die Provinz Sachsen (ab 1900 auch Anhalt) ist die älteste Gelehrtensozietät ihrer Art in Deutschland.
2026 widmet die Kommission mehrere Veranstaltungen diesem Jubiläum und der eigenen Geschichte. Ein Festakt am 2. Juli in Magdeburg stellte die langjährige Arbeit der Kommission und ihre Bedeutung für die historische Forschung im Land in den Mittelpunkt. Auf einer wissenschaftlichen Tagung am 1. und 2. Oktober in Halle wurde die Geschichte der Kommission kritisch aufgearbeitet, zugleich aber über Sachsen-Anhalt hinaus als Meilenstein für die Landesgeschichte der gesamten Bundesrepublik gewürdigt.
Zum Festakt anlässlich des 150-jähren Bestehens im Palais am Fürstenwall, erklärte Staatsminister und Minister für Kultur Rainer Robra „Die Historische Kommission ist mit ihren ausgewiesenen Fachleuten aus unterschiedlichen Disziplinen und zu verschiedenen Zeitepochen der Landesgeschichte eine feste Größe in der Geschichtsforschung unseres Landes. Sie steht für Expertise aus Universitäten, Archiven, Museen, Kultureinrichtungen und kirchlichen Institutionen. Diese interdisziplinäre Ausrichtung ist ihre Stärke.“ Die Landesregierung wisse um die Bedeutung der Historischen Kommission für die Identitätsbildung im Land, die Vermittlung von Geschichte an die Bürgerinnen und Bürger und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. „Sie tragen dazu bei, dass die Vergangenheit Sachsen-Anhalts nicht nur bewahrt, sondern lebendig vermittelt und immer wieder neu erforscht wird“, so der Staatsminister zu den Mitgliedern der Historischen Kommission.
Auch Innenministerin Dr. Tamara Zieschang nahm am Festakt teil. Sie würdigte die Kommission als einen bedeutenden Impulsgeber bei der Erforschung und Bewahrung unserer Landesgeschichte.

Eindrücke vom Festakt (Fotos: O. Ritter)
Am 1. und 2. Oktober kehrte die Kommission für eine wissenschaftliche Tagung an den Ort ihrer Gründung zurück: auf den Jägerberg bei Halle, heute Sitz der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften.
Mit dem Jubiläumsjahr stellt die Historische Kommission nun erstmals eine Liste der Bände ihrer beiden frühen Reihen Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete sowie Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und des Freistaates Anhalt auf ihrer Website bereit und verlinkt vorhandene Digitalisate der einzelnen Bände.
Die Reihe war eine zunächst von den Geschichtlichen Vereinen der Provinz Sachsen und ab 1878 in Gemeinschaft mit der Historischen Kommission für die preußische Provinz Sachsen herausgegebene Publikationsreihe von Urkundenbüchern, Regestenwerken und Quelleneditionen. 1879 übernahm die Historische Kommission die alleinige Herausgeberschaft. 1925 wurde diese Reihe durch die Bände der Neuen Folge abgelöst, die bis 1940 in loser Folge erschien.
Die Liste finden Sie hier und im Menü unter Publikationen.
Sachsen und Anhalt. Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, Band 38/2026
Im Auftrag des Instituts für Landesgeschichte am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, herausgegeben von Michael Hecht, Jan Kellershohn, Margit Scholz, Michael Scholz und Bettina Seyderhelm
Im Jahrbuch „Sachsen und Anhalt“ werden aktuelle Ergebnisse der Landesforschung sowie ein umfangreicher Rezensionsteil veröffentlicht. Den Schwerpunkt des Jahrbuchs bilden die Beiträge der Tagung „Von der Fürstenhistorie zur Landesgeschichte. Historiografische Arbeiten zur Geschichte Anhalts vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert“ (2024). Weitere Themen sind u.a. „Ein Doppelblatt aus dem verschollenen Memorienverzeichnis des Stifts St. Nikolai zu Magdeburg“, „Schloss Augustusburg in Weißenfels als musikhistorischer Ort“, „Stammbücher des 19. Jahrhunderts aus dem von Jena’schen Fräuleinstift in Halle“, „Das Bauhausgebäude in Dessau“, „Repräsentative Druckerzeugnisse der Leunawerke“. Den Band beschließen ein Bericht zum Projekt „Lost Places in Sachsen-Anhalt gemeinsam sichtbar machen“ und Besprechungen von Neuerscheinungen zur Landesgeschichte.
Andreas Pecar/Ingrid Würth (Hg.): Verketzerungsprozesse. Kontinuität und Wandel religiöser Ausgrenzung in der Vormoderne (Quellen und Forschungen zur Geschichte Sachsen-Anhalts Bd. 33).
Im Vorfeld des Bauernkriegsgedenkens 2025 wurde auf einer wissenschaftlichen Tagung in Stolberg ein Phänomen in den Blick genommen, das bei der Auseinandersetzung mit Thomas Müntzer und anderen Vertretern der „radikalen Reformation“ eher selten beachtet wird: die „Verketzerung“ dieser Gruppierungen durch die etablierten Wittenberger Reformatoren. Dieses Verfahren, Konkurrenten jeglicher Art durch Häresievorwürfe zu schädigen und in letzter Konsequenz auszuschalten, ist im 16. Jahrhundert jedoch keineswegs neu. Bereits im Mittelalter wurde es in verschiedenen Kontexten zur Anwendung gebracht. In einem epochenübergreifenden Zuschnitt wurde auf der Tagung der Mechanismus der Verketzerungen untersucht, angefangen mit der „Erfindung“ der Katharer im 13. Jahrhundert. Den Schwerpunkt bildete jedoch der mitteldeutsche Raum im Spätmittelalter und im 16. Jahrhundert. Die Beiträge befassten sich mit Häresievorwürfen und deren Instrumentalisierung in sozialen und politischen Konflikten im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit, z. B. im städtischen Kontext oder in den Auseinandersetzungen der Reformationszeit mit den Anhängern Müntzers, den Täufern und anderen devianten Gruppierungen. Im Vergleich mit spätmittelalterlichen Vorläufern und späteren frühneuzeitlichen Ausgrenzungsphänomenen wurde bewertet, inwiefern die Ausgrenzungsmechanismen der Wittenberger Reformatoren sich in lange Traditionslinien einbetten lassen oder aber durch besondere Merkmale der Verketzerung hervortreten.