Verloren, verwandelt, wiederentdeckt. Lost Places in Sachsen-Anhalt gemeinsam sichtbar machen
Sachsen und Anhalt, Band 38/2026
Verketzerungsprozesse. Kontinuität und Wandel religiöser Ausgrenzung in der Vormoderne
Glas – Steine – Erden. Forschungen zur mitteldeutschen Kunst- und Kulturgeschichte

Historische Kommission für Sachsen-Anhalt
- Arbeitsstelle -
c/o Franckesche Stiftungen zu Halle
Franckeplatz 1, Haus 24
06110 Halle (Saale)
Tel.: (0345) 21 27 429
Mail: kontakt@hiko-sachsen-anhalt.de
Historische Kommission für Sachsen-Anhalt
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Die 1876 gegründete Historische Kommission für die Provinz Sachsen (ab 1900 auch Anhalt) ist die älteste Gelehrtensozietät ihrer Art in Deutschland.
2026 widmet die Kommission mehrere Veranstaltungen diesem Jubiläum und der eigenen Geschichte. Ein Festakt am 2. Juli in Magdeburg stellt die langjährige Arbeit der Kommission und ihre Bedeutung für die historische Forschung im Land in den Mittelpunkt. Auf einer wissenschaftlichen Tagung am 1. und 2. Oktober in Halle wird die Geschichte der Kommission kritisch aufgearbeitet, zugleich aber über Sachsen-Anhalt hinaus als Meilenstein für die Landesgeschichte der gesamten Bundesrepublik gewürdigt.
Weitere Informationen zur Tagung finden Sie hier.
Anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens schreibt die Historische Kommission für Sachsen-Anhalt im Jahr 2026 mehrere Kurzzeitstipendien für Nachwuchswissenschaftler:innen mit Hochschulabschluss aus. Die Stipendien sind mit 1.500 € monatlich dotiert und werden ab dem 1. Oktober 2026 für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten vergeben. Gefördert werden Forschungsprojekte sowie die Vorbereitung wissenschaftlicher Forschungsvorhaben zur Landesgeschichte des heutigen Landes Sachsen-Anhalt vom Frühmittelalter bis in die Zeitgeschichte. Bewerbungen aus allen landesgeschichtlich relevanten Disziplinen sind willkommen. Neben der Geschichtswissenschaft können Projekte beispielsweise aus der Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Archäologie oder weiteren einschlägigen Fächern eingereicht werden.
Die komplette Ausschreibung finden Sie hier. Bewerbungen per
Am 5. und 6. November 2026 veranstaltet die Historische Kommission für Sachsen-Anhalt in Kooperation mit dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt, dem Institut für Landesgeschichte am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt und dem Industrie- und Filmmuseum Wolfen den Workshop "Das Gedächtnis der Transformation. Lebensgeschichte und Zeitzeugenschaft in Sachsen-Anhalt" im Industrie- und Filmmuseum Wolfen.
Seit den 1990er Jahren wird angesichts aktueller politischer Problemlagen regelmäßig eine Intensivierung der Zeitzeugenbefragung gefordert. Die Geschichtswissenschaft hat davon profitiert und Studien mit lebensgeschichtlichen Quellen hervorgebracht, aber auch Arbeiten zur Historisierung des Phänomens Zeitzeugenschaft. Daran anknüpfend widmet sich der Workshop einer systematischen Historisierung von Zeitzeugenschaft und Interviewerhebungen in den DDR-Bezirken Magdeburg und Halle sowie in Sachsen-Anhalt. Im Zentrum stehen Entstehungsbedingungen, Generierungspraktiken sowie Authentifizierungs- und Auratisierungsstrategien dieser Quellen vor dem Hintergrund tiefgreifender ökonomischer Umstrukturierungen – von der Befragung von Arbeiterveteranen in der DDR über die Transformationsforschung der 1990er Jahre bis zu zivilgesellschaftlichen Projekten wie Gewerkschaftsinitiativen oder dem Haus der Alltagsgeschichte in Wittenberg. Der Workshop soll zunächst einen Überblick über erhaltene und verlorene Interviewbestände im Land geben und zugleich nach Aufnahme-, Aufbereitungs- und Nutzungspraktiken sowie nach Perspektiven für Sicherung und Sekundärnutzung fragen.
Den komplette Call for Paper finden Sie hier. Themenvorschläge im Umfang von 300 Wörtern und eine biographische Notiz können bis zum 1. September 2026 per
Am 2. Juli beging die Historische Kommission anlässlich ihres 150-jähren Bestehens einen Festakt im Palais am Fürstenwall. Staatsminister und Minister für Kultur Rainer Robra erklärte „Die Historische Kommission ist mit ihren ausgewiesenen Fachleuten aus unterschiedlichen Disziplinen und zu verschiedenen Zeitepochen der Landesgeschichte eine feste Größe in der Geschichtsforschung unseres Landes. Sie steht für Expertise aus Universitäten, Archiven, Museen, Kultureinrichtungen und kirchlichen Institutionen. Diese interdisziplinäre Ausrichtung ist ihre Stärke.“ Die Landesregierung wisse um die Bedeutung der Historischen Kommission für die Identitätsbildung im Land, die Vermittlung von Geschichte an die Bürgerinnen und Bürger und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. „Sie tragen dazu bei, dass die Vergangenheit Sachsen-Anhalts nicht nur bewahrt, sondern lebendig vermittelt und immer wieder neu erforscht wird“, so der Staatsminister zu den Mitgliedern der Historischen Kommission.
Auch Innenministerin Dr. Tamara Zieschang nahm am Festakt teil. Sie würdigte die Kommission als einen bedeutenden Impulsgeber bei der Erforschung und Bewahrung unserer Landesgeschichte.

Eindrücke vom Festakt (Fotos: O. Ritter)
Am 1. und 2. Oktober kehrt die Kommission für eine wissenschaftliche Tagung an den Ort ihrer Gründung zurück: auf den Jägerberg bei Halle, heute Sitz der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften. Die Tagung wird die Geschichte der Kommission kritisch aufarbeiten und ihre Bedeutung als Meilenstein der Landesgeschichtsforschung in ganz Deutschland würdigen.
Mit dem Jubiläumsjahr stellt die Historische Kommission nun erstmals eine Liste der Bände ihrer beiden frühen Reihen Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete sowie Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und des Freistaates Anhalt auf ihrer Website bereit und verlinkt vorhandene Digitalisate der einzelnen Bände.
Die Reihe war eine zunächst von den Geschichtlichen Vereinen der Provinz Sachsen und ab 1878 in Gemeinschaft mit der Historischen Kommission für die preußische Provinz Sachsen herausgegebene Publikationsreihe von Urkundenbüchern, Regestenwerken und Quelleneditionen. 1879 übernahm die Historische Kommission die alleinige Herausgeberschaft. 1925 wurde diese Reihe durch die Bände der Neuen Folge abgelöst, die bis 1940 in loser Folge erschien.
Die Liste finden Sie hier und im Menü unter Publikationen.
Sachsen und Anhalt. Jahrbuch der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, Band 38/2026
Im Auftrag des Instituts für Landesgeschichte am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, herausgegeben von Michael Hecht, Jan Kellershohn, Margit Scholz, Michael Scholz und Bettina Seyderhelm
Im Jahrbuch „Sachsen und Anhalt“ werden aktuelle Ergebnisse der Landesforschung sowie ein umfangreicher Rezensionsteil veröffentlicht. Den Schwerpunkt des Jahrbuchs bilden die Beiträge der Tagung „Von der Fürstenhistorie zur Landesgeschichte. Historiografische Arbeiten zur Geschichte Anhalts vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert“ (2024). Weitere Themen sind u.a. „Ein Doppelblatt aus dem verschollenen Memorienverzeichnis des Stifts St. Nikolai zu Magdeburg“, „Schloss Augustusburg in Weißenfels als musikhistorischer Ort“, „Stammbücher des 19. Jahrhunderts aus dem von Jena’schen Fräuleinstift in Halle“, „Das Bauhausgebäude in Dessau“, „Repräsentative Druckerzeugnisse der Leunawerke“. Den Band beschließen ein Bericht zum Projekt „Lost Places in Sachsen-Anhalt gemeinsam sichtbar machen“ und Besprechungen von Neuerscheinungen zur Landesgeschichte.
Andreas Pecar/Ingrid Würth (Hg.): Verketzerungsprozesse. Kontinuität und Wandel religiöser Ausgrenzung in der Vormoderne (Quellen und Forschungen zur Geschichte Sachsen-Anhalts Bd. 33).
Im Vorfeld des Bauernkriegsgedenkens 2025 wurde auf einer wissenschaftlichen Tagung in Stolberg ein Phänomen in den Blick genommen, das bei der Auseinandersetzung mit Thomas Müntzer und anderen Vertretern der „radikalen Reformation“ eher selten beachtet wird: die „Verketzerung“ dieser Gruppierungen durch die etablierten Wittenberger Reformatoren. Dieses Verfahren, Konkurrenten jeglicher Art durch Häresievorwürfe zu schädigen und in letzter Konsequenz auszuschalten, ist im 16. Jahrhundert jedoch keineswegs neu. Bereits im Mittelalter wurde es in verschiedenen Kontexten zur Anwendung gebracht. In einem epochenübergreifenden Zuschnitt wurde auf der Tagung der Mechanismus der Verketzerungen untersucht, angefangen mit der „Erfindung“ der Katharer im 13. Jahrhundert. Den Schwerpunkt bildete jedoch der mitteldeutsche Raum im Spätmittelalter und im 16. Jahrhundert. Die Beiträge befassten sich mit Häresievorwürfen und deren Instrumentalisierung in sozialen und politischen Konflikten im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit, z. B. im städtischen Kontext oder in den Auseinandersetzungen der Reformationszeit mit den Anhängern Müntzers, den Täufern und anderen devianten Gruppierungen. Im Vergleich mit spätmittelalterlichen Vorläufern und späteren frühneuzeitlichen Ausgrenzungsphänomenen wurde bewertet, inwiefern die Ausgrenzungsmechanismen der Wittenberger Reformatoren sich in lange Traditionslinien einbetten lassen oder aber durch besondere Merkmale der Verketzerung hervortreten.